Der Einsatz des iPads anhand einer Musterstunde

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Folgendes Praxisbeispiel beschreibt eine Geschichtsstunde aus dem Themengebiet "Die Römer im Maingebiet" in einer 6. Klasse an einer bayerischen Mittelschule. Dieser Artikel ist für Lehrerinnen und Lehrer mit durchschnittlichen Vorkenntnissen gedacht.

 Verwendete Technik:

Software:

Apps:

Wie sicherten die Römer ihre Grenze am Main?

Als Lehrer einer kleinen unterfränkischen Mittelschule ist das so eine Sache mit der zeitgemäßen technischen Ausstattung der Klassenräume. Viel zu
teuer! Wird eh nicht genutzt! Wozu braucht man das überhaupt? Lohnt sich das überhaupt noch? Solche oder ähnliche Aussagen kennt wohl jeder Lehrer, der gerne mit einem Interaktiven Whiteboard oder grundsätzlich mit digitalen Medien arbeiten möchte. Ich hatte Glück, denn unsere Gemeinde
gab unserem Drängen nach und stattete im vergangenen Sommer wenigstens die Klassenzimmer mit Computer, Beamer und Internetanschluss aus. Für ein interaktives Whiteboard reichte das Geld dann allerdings nicht mehr.

Nicht so schlimm, dachte ich mir, dann nutze ich einfach mein iPad anstelle eines Whiteboards. Seitdem bin ich auf der Suche nach sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für Tabletcomputer. Ein paar davon möchte ich hier anhand einer ganz normalen Geschichtsstunde aufzeigen.

Im Rahmen des GSE-Unterrichts der 6. Jahrgangsstufe plante ich eine Stunde mit dem Titel „Wie sicherten die Römer ihre Grenze am Main?“.

Vorbereitung der Stunde

Abbildung-1Zuerst lief die Vorbereitung ganz traditionell. Ich überlegte mir ein Artikulationsschema, skizzierte den Stundenablauf und suchte bzw. erstellte anschließend die notwendigen Medien. Für die erste Phase der Hinführung zum Thema benötigte ich das Bild eines römischen Legionärs und ein zweiteiliges Hörspiel, für den Hauptteil der Stunde – die Problemlösungsphase – Arbeitsblätter inkl. Bilder für eine arbeitsteilige Gruppenarbeit und eine Übersichtskarte
der Mainlimesregion. Zur Sicherung der Ergebnisse erstellte ich am Computer ein Arbeitsblatt für die Schülerinnen und Schüler. Den Abschluss der Stunde bildete eine Vertiefungsphase, für die ich noch schnell einen passenden „Zeitungsartikel“ erstellte.

Nun machte ich mich an die Vorbereitung des iPads. Zum Übertragen der notwendigen Dateien (Bilder, Arbeitsblatt und Karte) nutze ich die App „GoodReader“. Diese App ist quasi das Schweizer Taschenmesser für die Verwaltung, das Betrachten und das Verändern von Dateien aller Art auf dem iPad (und auch dem iPhone) und besitzt einen riesigen Funktionsumfang, bleibt dabei jedoch immer noch leicht bedienbar. Mit der integrierten Dateiverwaltung dieser App kann man per WLAN auf einen freigegebenen Ordner oder eine Partition auf dem heimischen Rechner zugreifen und Dateien austauschen (s. Abb. 1). Dateien können aber auch u. a. per Dropbox, iCloud, Google Docs, SkyDrive und per Web- Download auf das iPad befördert werden. Selbst der direkte Download von Bildern oder Videos von einer Webseite ist damit problemlos möglich.

Innerhalb der App können Dokumente nahezu beliebig in Ordnern und Unterordnern abgelegt, Dateien kopiert, verschoben, umbenannt, gelöscht und sogar gezippt und als E-Mail-Anhang versendet werden. Auch eine „Öffnen mit …“-Schaltfläche ist vorhanden, sodass Dateien problemlos in anderen Apps geöffnet werden können. Diese besonders wichtige Funktion benötige ich auch im nächsten Schritt der Vorbereitung.

Abbildung-2Nun befinden sich die Dateien also auf dem iPad. Zwar kann die App „GoodReader" meine Bilder und das Arbeitsblatt im PDF-Format problemlos anzeigen und auch beschriften, im Unterricht arbeite ich jedoch wesentlich lieber mit der App „GoodNotes". Diese App besitzt eine gute Handschrifteneingabe (s. Abb. 2 auf S. 22) und erlaubt es damit sogar, auch auf dem iPad ungeübten Schreibern auf Anhieb gut lesbare Texte zu erstellen. Dazu zieht man mit dem Finger ein in der Größe anpassbares Auswahlfeld (Rahmen in Abb. 2) über die zu beschriftende Stelle und kann anschließend im Schreibfenster am unteren
Bildschirmrand den Text eingeben, ohne dazu tief in das Arbeitsblatt hineinzoomen zu müssen. Auf diese Weise behält der Schüler immer die Übersicht, wo auf dem Arbeitsblatt gerade gearbeitet wird und der Schreiber läuft nicht Gefahr, mit dem Handballen ungewollte Spuren zu hinterlassen. Noch leichter wird die Texteingabe, wenn man einen Stift für Tabletcomputer verwendet. Der Auswahlrahmen und das Schreibfenster selbst werden übrigens über den Beamer nicht mit ausgegeben!

Abbildung-3Um die benötigten Dateien in „GoodNotes“ beschriften zu können, wählt man sie in der App „GoodReader“ aus und drückt die Schaltfläche „Öffnen in …“. Im sich nun öffnenden Auswahlfenster (s. Abb. 3) braucht man jetzt nur noch die gewünschte App auswählen, in der die Datei geöffnet werden soll, in meinem Fall alsoAbbildung-4 „GoodNotes“, und wenige Sekunden später kann ich in dieser App entweder ein neues Notizbuch erstellen oder die Datei einem bereits existierenden Notizbuch hinzufügen. Diesen Vorgang wiederhole ich so oft, bis ich alle benötigten Daten in „GoodNotes“ eingefügt habe (s. Abb. 4).

Nun sind meine häuslichen Vorbereitungen erledigt. In der Schule kopiere ich die ArbeAbbildung-5itsblätter für die Schülerinnen und Schüler und mache mich auf die Suche nach einem willigen Kollegen, der mir dabei hilft, das benötigte Hörspiel aufzuzeichnen. Das klingt im ersten Augenblick nach komplizierter Technik, Mikrofonen usw.; mit einem iPad ist das jedoch ganz einfach und schnell erledigt: Ich lege das iPad auf den Tisch, starte die App „Recorder Plus“, nehme das Hörspiel mit meinem Kollegen auf – und nach wenigen Minuten kann ich das fertige Hörspiel über die auch hier vorhandene „Öffnen mit …“-Funktion in die App „GoodReader“ übertragen und dort abspielen (s. Abb. 5).

Vor der Klasse

Während der Stunde selbst benötige ich dann nur die Apps „GoodReader" (zum Abspielen des Hörspiels) und „GoodNotes" (zum Anzeigen der Bilder und zum Beschriften des Arbeitsblatts). Um den Bildschirminhalt des iPads dabei kabellos auf den Computer, an den der Beamer angeschlossen ist, übertragen zu können, muss auf diesem das Tool „AirServer" installiert sein. Dieses stellt den Mac oder PC als AirPlay-Empfänger zur Verfügung, sodass ich mit der in Apples iOS bereits eingebauten Streaming-Funktion „Air- Play" alle Inhalte des iPad-Displays auf den Computer und somit auf den Beamer spiegeln kann. Dank der Reichweite des installierten WLAN-Routers funktioniert das kabellose Spiegeln des iPad-Displays und des Tons von jeder beliebigen Stelle im Klassenzimmer. Der spontane Wechsel zwischen den Apps läuft mit einem Vierfingerwisch quer über das Display äußerst schnell ab, der Seitenwechsel in „GoodNotes" mit einem Zweifingerwisch.

Nachdem meine Schülerinnen und Schüler inzwischen fast besser wissen als ich, wie man am besten Text eingibt, lasse ich jeweils einen Schüler die Gruppenergebnisse vorstellen, während ein zweiter – der Gruppenschreiber – die Ergebnisse direkt auf dem iPad eingeben darf. Während ich früher viel zu oft einen Schüler fürs Schreiben bestimmen musste, streiten sich die Schülerinnen und Schüler inzwischen darum, wer schreiben darf – ein positiver
Nebeneffekt!

Abbildung-6Eine kleine Schrecksekunde erlebte ich während der Stunde dann doch noch: Ich hatte vergessen, das Lösungsblatt, auf dem die Ergebnisse einzutragen
waren, auf das iPad zu überspielen. Doch zum Glück ist das iPad auch eine hervorragende Dokumentenkamera. Ich legte eine Schülerkopie des Arbeitsblattes auf einen Tisch, öffnete die App „Scanner Pro" und schoss ein Foto davon (s. Abb. 6). Sehr gut finde ich dabei die Lösung, dass das Foto erst in dem Augenblick geschossen wird, in dem man das iPad absolut ruhig hält, sodass auch eine schlechte Beleuchtung gut ausgeglichen wird. Anschließend zeigt man der App nur noch, wo sich die Ecken des Dokuments befinden. Nun werden Verzerrungen automatisch ausgeglichen, Helligkeit und Kontrast angepasst und das Ganze als PDF abgespeichert. Mit der auch in dieser App vorhandenen „Öffnen mit ..."-Funktion kann das eingescannte Arbeitsblatt nun leicht in die gewünschte App übertragen werden.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

InAbbildung-7 der nächsten Stunde werde ich mit meinen Schülerinnen und Schülern noch eines der vielen gelungenen und lehrreichen Videosaus dem Onlineverleih unseres Kreismedienzentrums ansehen. Als Medienwiedergabegerät ist hier wieder das iPad im Einsatz. Inzwischen gibt es eine große Anzahl von Apps, die beinahe jedes Videoformat wiedergeben können, selbst das Flash-Format wird meist anstandslos abgespielt (z. B. „GoodPlayer", „CineXPlayer", ...). Bisher wurden bei mir quasi alle Onlineangebote unseres Kreismedienzentrums problemlos abgespielt.

Eine weitere hervorragende App zum Thema Limes werde ich an unserem nächsten Wandertag nutzen. Diese App namens „Mainlimes Mobil" greift auf die GPS-Koordinaten des iPads zu und meldet sich, wenn man in die Nähe einer für den Mainlimes bedeutsamen Stelle kommt. Mithilfe virtueller Realität, d. h. über das Originalbild, wird z. B. die Ansicht eines ehemaligen Römerkastells gelegt. Zusätzlich bietet die App viele informative Texte und einige Videos, die u. a. von vergangenen Ausgrabungen berichten.

Fazit

Das iPad ist gerade für Lehrer ein faszinierendes neues Werkzeug mit vielen Einsatzmöglichkeiten. Schon nach wenigen Wochen im Unterrichtseinsatz möchte ich es nicht mehr missen, und ich denke, meine Schülerinnen und Schüler auch nicht. Natürlich muss man zuerst einmal etwas Zeit investieren, um sich einzuarbeiten, doch alleine die Möglichkeiten in Bezug auf die Gestaltung des Tafelbilds und der einfache Einsatz als Dokumentenkamera sind das allemal wert. Und nicht zuletzt ist die Tatsache nicht zu unterschätzen, dass ich mich schon kaum mehr daran erinnern kann, wann ich meinen Schülerinnen und Schülern das letzte Mal den Rücken zugekehrt hätte ...

Den Wunsch nach einem interaktiven Whiteboard habe ich auf jeden Fall nicht mehr – vielmehr wächst inzwischen der nach einem zweiten, dritten oder sogar vierten iPad!

Artikel veröffentlicht in der Zeitschrift "Computer + Unterricht", Februar 2013

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